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Schwaderloh ist ein Weiler. Die paar Häuser liegen eine knappe Wegstunde südlich von Konstanz an der Strasse, die über den Seerücken ins Thurtal führt. Schwaderloh bedeutet Schwaderwald und hat mit „Loch“ oder Engpass nichts zu tun. “Schwader“ stammt vom lateinischen „schwadere“ ab und bedeutet ins deutsche übersetzt Pfütze. “Loh“, heisst vom lateinischen abgeleitet „Wald“. Die Stellung im Schwaderloh war aber von grösster Bedeutung für den Ausgang des Schwabenkrieges. Konstanz Schwaderloh Die schlichten Bauernhäuser bei Schwaderloh genügten nicht für die Aufnahme mehrerer hundert Knechte. Das Zelten im Winter war bei den Eidgenossen nicht üblich. Die Mannschaften der einzelnen Orte verteilten sich auf die umliegenden Dörfer. Drohte unmittelbare Gefahr, so loderten die Höhenfeuer, qualmten die Rauchsignale oder läuteten die Sturmglocken. |
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Hier vertrieben sich die Eidgenossen die Zeit, schliefen auf Heu und
Stroh und warteten auf den Feind. Es war ein Nervenkrieg! Schon im Januar 1499
standen unsere Knechte in
Schwaderloh. Der Hauptmann der Schwyzer meldete am 2.
Februar 1499 an seine Obrigkeit nach Hause:
Es geschah dann vorläufig nichts, die Eidgenossen aber blieben auf der Hut. Am 1. März 1499 setzten die Abgeordneten an der Tagsatzung in Zürich die Aufgebote für die einzelnen Orte fest: |
| Uri | 100 Knechte |
| Schwyz | 100 Knechte |
| Unterwalden | 100 Knechte |
| Luzern | 100 Knechte |
| Zürich | 100 Knechte |
| Glarus | 100 Knechte |
| Zug | 100 Knechte |
| Freiburg | 100 Knechte |
| Bern | 120 Knechte |
| Schwaderloh | 50 Knechte |
| Baden | 50 Knechte |
| Diessenhofen | 20 Knechte |
| Es waren knapp 1500 Mann: |
| -Langspiesser |
| -Halbartenträger |
| -Handbüchsenschützen und |
| -Armbrustschützen |
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So bewegte sich am frühen Nachmittag die Kolonne in Deckung dem Feind entgegen, der sich immer noch in Ermatingen und Triboltingen austobte. Oberhalb Triboltingen aber lauerte indessen schon die Schar der Schweizer hinter Busch und Baum am Waldrand. Unten in der Ebene näherten sich die lärmenden Schwaben. Reiterei, Fussvolk und Artillerie zogen ahnungslos heimwärts in Richtung Konstanz. Beutewagen und Geschütze rumpelten im Zuge mit. Es war ein fröhlicher Festzug. Trester, Most und Wein hatte die militärische Ordnung aufgeweicht. Oben am Waldrand murmelten die Eidgenossen ein kurzes Gebet: Dann ging der Teufel los! Wie ein Sturmwind brausten sie über Feld und Acker. Pfeifen schrillten! Trommeln rasselten! “Bumperlibum aberdran heiahan!“ Ein Chronist schrieb später: “...die Eidgenossen lüffend also mit grossem Zorn und ungestümklich uss dem wald entweris (entweris=quer) die vigend, das der wald entornet, als ob das Wuotis her (wuotis her=Woandersher) kem.“ Die Schwaben schreckten auf, nützten die kurze Frist, vermochten in aller Eile einen geordneten Haufen zu bilden und stellten sich zum Kampfe bereit. „Und ward ein sollicher rouch und so ein grim wesen mit schiessen, stechen, hauen und schlachten, dass ich es genuogsam nit beschrieben kan.“ Die Heermassen wogten hin und her, denn die schwäbischen Landsknechte
standen baumstark in ihren Reihen: Erst jetzt geriet die Ordnung ins Wanken. Die Eidgenossen hatten den „Druck“ durchgestiert. Zuerst ergriffen die feindlichen Fähnriche die Flucht und dann das ganze Herr. Die Eidgenossen bewiesen im Trubel der Schlacht grösste Disziplin. Die Hauptleute verloren die Übersicht nicht, und der gefürchtete Schweizer-Igel löste sich nicht auf. Nur so konnte die schwäbische Kavallerie abgewehrt werden, die den Schweizer Haufen stets von neuem bedrohte. Und nun? Was ein Chronist dazu schreibt:
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Also, teiltend sich die Eidgenossenin zwen hufen, zog ein teil an den reisigen züg, (reisigen=berittene Söldner) die uff ze halten, die anderen iltend dem fuoss volk nach die halden nider, stachend und schluogend zu tod, was inen werden mocht. |
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Die Reisigen hielten sich derart tapfer vor den Langspiessern, dass nun der andere Teil der Eidgenossen die fliehenden Landsknechte verfolgen konnte. Diese rannten um ihr Leben. Sie schleuderten Beute und Waffen von sich. Über Gottlieben und die Sumpfwiesen des Tägermooses suchten sie die schützenden Mauern von Konstanz zu erreichen. Ganze Haufen wateten durchs Schilf und sprangen in den Rhein. Sie drängten sich in rettende Schiffe. Überladene Boote kippten, und hilflos versanken die schon Geborgenen in den Fluten. Diejenigen, die Konstanz erreichten fanden die Tore verschlossen. Warum? Sicher hätten sich mit den einigen Leuten auch die siegreichen Schweizer in die Stadt gedrängt. So tobte die Schlacht vor den Mauern 4 Stunden lang weiter. Bittere Stunden für den geschlagenen Feind! Am Abend war das Feld bedeckt mit weggeworfenen Waffen, zurückgelassener Beute und den Toten. Die Sieger knieten nieder und beteten für ihre gefallenen Brüder: “Kyrie Eleison, Herr erbarme dich unser!“ Am folgenden Morgen erhielten die Bewohner von Konstanz die Erlaubnis, die Leichname ihrer Angehörigen heimzuholen. Es schritt ein Trauerzug von Priestern und Frauen, Kindern und alten Männern auf das Schlachtfeld hinaus, zog betend in die Stadt zurück und auf die Friedhöfe. Die Beute der Eidgenossen war gross, und besondere Freude herrschte im Luzerner Lager. Ihre beiden Feldschlangen standen wieder da neben vielen anderen Geschützen, die der Feind zurücklassen musste. Auch die beiden Stadtbanner von Ulm und Wangen blieben in eidgenössischem Besitz. Die Eroberung von Feldzeichen galt als höchste Ehre. So fand der 11. April 1499 nach einem unheilvollen Morgen für die Eidgenossen doch noch einen erfolgreichen Abschluss. Und die Thurgauer? Sie hielten jederzeit fest zu den Eidgenossen. Auf
ihre Treue durften die schweizerischen Hauptleute bauen. Im siegreichen Heer
bei Schwaderloh kämpften zwei Drittel Thurgauer, und nur ein Drittel bestand
aus den Zuzüglern der Orte. Die Thurgauer hatten also ihren Heimatboden unter
eidgenössischer Leitung zum Grossen Teil selbst verteidigt. |
Autor: Konrad Maximilian Vögeli-Graf Januar 1998